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November 12 bis Februar 2013

Centre Jigiya Bon oder wie man das Leben in Mali lieben lernt


Johanne Kläger mit Ina und Mariam

Einem lang gehegten Wunsch folgend mit Kindern in Afrika zu arbeiten, war der Grund, warum ich mit Gunthard Weber Kontakt aufgenommen hatte. Sein erster Satz der Antwort-E-Mail war: „Es gibt keine Zufälle“ – die Vereinsmitglieder hatten am Vortag Versammlung und wünschten sich Menschen, die ihre Arbeit praktisch unterstützten. Das war im September 2012 und im November landete ich in Bamako, der Hauptstadt von Mali, um für 4 Monate im Centre Jigiya Bon zu leben und zu arbeiten.

Vorher konnte mir keiner so genau sagen, was meine Aufgabe im Centrum sein wird. Das war schon die erste Übung im Loslassen und Annehmen was ist. Wie so oft in Mali

Die größte Herausforderung in den ersten Tagen war, die Menschen zu verstehen und mich verständig zu machen. Mein letztes Französisch war 30 Jahre alt und war das unbeliebteste Fach in der Schule. Vielleicht war ich ein wenig größenwahnsinnig geworden?

Da die jüngeren Mädchen kein französisch sprechen, sondern die einheimische Sprache, Bambara, lernte ich direkt beide Sprachen. Was einerseits für Heiterkeit sorgte, andererseits Stolz, das eine Weiße ihre Sprache spricht. Man muss dazu wissen, dass die Begrüßungen bei den Maliern sehr wichtig sind. Es geht oft hin und her, wie es der Familie geht, man fragt nach Gesundheit, allgemeinem Zustand etc., wobei nie ernsthaft die wirkliche Lage erfasst werden will. Heißt, es geht immer allen gut - „toro te!“

Wie oft habe ich inmitten unter einer Schar lebhafter Mädchen gesessen, kein Wort verstanden und es (mit der Zeit) sehr genossen.

In dem Centre leben 40 Mädchen, im Alter von 8 – 22, zwei Wächterfamilien, plus einige erwachsene Angestellte (von der Direktorin bis zur Köchin). Von Ihnen wurde ich sehr herzlich und neugierig aufgenommen.
Schnell wurden mir die Unterschiede zum deutschen Pädagogik-System klar. Hier beruht vieles auf Respekt, Hierarchie und auch Angst. Es ist für die jüngeren z.B. selbstverständlich den Älteren die Tasche abzunehmen. Ich habe mich oft gefragt, wie ist es möglich, das eine Leiterin alleine 40 Kinder beaufsichtigt. Relativ einfach: indem die Mädchen Aufgaben übernehmen, Eigenverantwortung haben und sich meist an die Regeln halten. Und es wird das durchgeführt, was angeordnet wird. Da gibt es keine Diskussionen, so wie wir es aus Deutschland mit den Jugendlichen kennen. Allerdings sind auch die Strafen meist gnadenloser.

Ich habe mit den Mädchen viel ausprobiert und gemacht: von Einzelarbeit über Klein- bis Großgruppenarbeit; von malen, basteln, singen, trommeln, fotografieren, lesen, deutsch-lernen, über Hausaufgabenhilfe zu Spiele und Ritualdurchführung. Je nachdem, was sich die Mädchen wünschten oder einfach anlag.

Einer meiner Spezialitäten im Centrum wurden Rituale, die ich mit allen 40 Mädchen durchgeführt habe. Zum Beispiel haben wir Anfang 2013 ein Ritual zur Begrüßung des neuen Jahres gemacht. Jedes Mädchen hat eine Kerze bekommen, sich leise einen Wunsch für das kommende Jahr gewünscht und mit ihrer Kerze die Kerze des nächsten Mädchens angezündet. Zum Schluss gab es ein Bild von 42 brennenden Kerzen, die das neue Jahr begrüßt haben.

In Mali ist die Musik sehr wichtig. Vor allem die Djembe…, jedoch die wird meist von den Männern getrommelt. Mit als Erstes habe ich mir Djembeunterricht gegönnt und es später mit den Mädchen inszeniert. Haben Sie schon mal eine Gruppe von 15 wild tanzenden Mädchen gesehen, die sich vollkommen unbeobachtet und ausgelassen fühlten und alles an Rhythmen, Gesängen und Bewegungen ausprobiert haben? Es war eine wahre Freude. Die malischen Mädchen haben eine starke Ausdrucksfähigkeit, nicht nur im Tanzen, sondern auch im Alltag. Wenn sie etwas erklären, wird alles in eine Waagschale gelegt.
Davon konnte ich mir eine Scheibe abschneiden.

Ich könnte noch viele kleine und große Geschichten vom Centrum, vom Leben in Bamako und von meiner Entwicklung dort erzählen. Von Höhen bis Tiefen war alles vorhanden und hat mich insgesamt in meinem Mensch-Sein gestärkt. Ich hoffe sehr, dass auch ich den Menschen dort etwas geben konnte, was sie vielleicht länger in ihrem Herzen und Kopf behalten.

Im Centre Jigiya Bon konnte ich mit eigenen Augen, Ohren, Händen und Herzen erleben, was für charmante, intelligente und liebenswerte Mädchen hier eine Chance auf eine Schulbildung bekommen, die sie sonst nie gehabt hätten.

Johanne Kläger,
Februar 2013

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